Gesundheitsmonitoring Rind in Baden-Württemberg: Zucht- und Herdenmanagement mit gesünderen Tieren



Im Jahr 2009 wurde der Grundstein gelegt für das Gemeinschaftsprojekt Gesundheitsmonitoring Rind vom Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, Landestierärztekammer Baden-Württemberg, Bundesverband Praktizierender Tierärzte e. V., Tierseuchenkasse Baden-Württemberg, Rinderunion Baden-Württemberg, LKV Baden-Württemberg und Universität Hohenheim. Das Projekt hat das Ziel, die Daten aus der monatlichen Leistungsprüfung um Informationen zur Tiergesundheit zu erweitern. Dies soll ein verbessertes Herdenmanagement für die Landwirte und eine intensivere Bestandsbetreuung für die Tierärzte ermöglichen.

Ende 2010 startete das Projekt in Baden-Württemberg mit den ersten Betrieben und Hoftierärzten. Inzwischen nehmen 1.047 Betriebe und 147 Großtierpraxen teil (Stand 13.11.2015).

In den vergangenen Jahren ist das Milchleistungsniveau durch verbessertes Herdenmanagement und züchterischen Fortschritt deutlich angestiegen. Gleichzeitig zeigte sich im Praxisalltag, dass Mastitis und Fruchtbarkeitsstörungen bei Kühen mit steigender Milchleistung zunehmen. Heute zählen diese Gesundheitsprobleme zu den häufigsten Abgangsursachen.


Abgangsursachen (%) von Fleckviehkühen unter Milchleistungsprüfung, (LKV BW)


Eutererkrankung Unfruchtbarkeit Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen Summe
2007 11,2 25,5 7,8 44,5
2008 11,7 26,6 7,8 46,1
2009 12,7 26,3 8,2 47,2
2010 12,0 26,2 7,6 45,8
2011 11,7 25,5 8,3 45,5
2012 12,8 24,5 8,4 45,7
2013 12,2 24,9 7,9 45,0
2014 11,5 24,3 7,5 43,3
2015 11,0 23,5 7,4 41,9


Abgänge auf Grund von Gesundheitsproblemen verursachen nicht nur Behandlungskosten, sondern bedeuten u. a. auch schlechtere Milchleistung, geringere Milchqualität und höhere Kosten durch die notwendig werdenden Bestandsergänzungen. Daher wird die Krankheitsvorsorge und -vermeidung immer bedeutender. Hinzu kommt, dass immer mehr Verbraucher ihr Augenmerk verstärkt auf tierische Produkte aus einer artgerechten und gesunden Tierhaltung richten.

Nicht zuletzt aus diesem Grund legen viele Landwirte und Züchter neben der stetigen Verbesserung der Leistungsmerkmale zunehmend großen Wert auf eine verstärkte züchterische Bearbeitung von Tiergesundheitsmerkmalen, wie z.B. der Eutergesundheit oder der Fruchtbarkeit.

Durch die positive Resonanz auf das Projekt und die gute Mitarbeit der beteiligten Betriebe und Tierärzte ist es gelungen, bis November des Jahres 2015 mehr als 290.000 Diagnosen zu erfassen.

Aufgrund dieser großen Datenmenge ist es möglich, bei der gemeinsamen Zuchtwertschätzung (Österreich, Baden-Württemberg, Bayern) seit August 2013 für eine Vielzahl an Bullen der Rassen Fleckvieh und Braunvieh Gesundheitszuchtwerte zu erstellen (ermittelt von der Zuchtwertschätzstelle Rind BW des Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung- LGL). Hierbei fliessen neben den Daten aus dem österreichischen Gesundheitsmonitoring seit August 2013 Daten aus Deutschland (Baden-Württemberg) mit ein. Somit wurde ein wichtiges Etappenziel des Projektes erreicht.

 

Doch nicht nur die Zucht auf gesunde, leistungsfähige Kühe, sondern auch die kontinuierliche  Verbesserung der betrieblichen Situation durch systematische Dokumentation und kritische Beobachtung des Geschehens im eigenen Betrieb zählt zu einem weiteren Ziel des Gesundheitsmonitorings Rind- ein Ziel, dass mit dem großen Interesse und der aktiven Teilnahme am Projekt erreicht werden kann.