Workshops zum Thema Klauengesundheit 2017 / 2018


Termin
Themenbereich Region / Veranstaltungsort
29.11.2017 Klauengesundheit 74426 Bühlerzell
30.11.2017 Klauengesundheit 74564 Crailsheim-Ingersheim
06.12.2017 Klauengesundheit 78576 Liptingen
31.01.2018 Klauengesundheit 72224 Ebhausen
01.02.2018 Klauengesundheit 78609 Tuningen
22.02.2018 Klauengesundheit 79865 Grafenhausen
23.02.2018 Klauengesundheit 74838 Limbach
27.02.2018 Klauengesundheit 77866 Rheinau
01.03.2018 Klauengesundheit 88450 Berkheim




Workshop Klauengesundheit - Bericht einer Teilnehmerin


Für Mitgliedsbetriebe veranstaltet der LKV Baden-Württemberg eintägige Workshops zu verschiedenen Bereichen der Milchviehhaltung. In dieser Saison lag und liegt der Schwerpunkt auf dem überaus wichtigen Thema der Klauengesundheit, da Klauenerkrankungen nach Euter- und Fruchtbarkeitsproblemen die dritthäufigste Abgangsursache in den LKV-Betrieben darstellt.


WS Crailsheim Vortrag Beißwenger

Einer dieser Workshops zur Klauengesundheit fand am 30.11.2017 in Crailsheim-Ingersheim statt. Die Klauen unserer Milchkühe sind dazu angelegt um auf weichem Erdboden zu laufen, dabei jederzeit durch Abliegen Ruhe zu finden und ursprünglich ein Gewicht von etwa 250 Kilo zu tragen, wie Tatjana Heim, Mitarbeiterin im EIP Kooperations Projekt Klauencheck Baden Württemberg, beim theoretischen Teil des Workshops zu bedenken gibt. Sowohl langes Stehen, sowie das Gehen auf hartem, rutschigem Beton, als auch eine zusätzliche Belastung durch hohe Milchleistung, hohes Körpergewicht und Stress erhöhen das Risiko auf Klauenerkrankungen. Was aber kostet eine lahme Kuh? Die monetären Auswirkungen von Behandlung, Milchverlust und verminderter Fruchtbarkeit infolge der verringerten Futteraufnahme summieren sich schon bei leichten Fällen in einer 100-Kuh-Herde auf einige Tausend Euro im Jahr.


Um dem entgegen zu wirken, wurde 2016 das EIP Kooperations-Projekt Klauencheck BW ins Leben gerufen. Zusammen mit Dr. Elisa Strang leitet die Ingenieurin Tatjana Heim von Seiten des LKV das Projekt. Ziel des Projekts ist die systematische und elektronische Erfassung von Klauendaten durch professionelle Klauenpfleger, um eine bessere Übersicht über die Gesundheit der Tiere zu bekommen. Dem Landwirt werden die Befunde über das Online Herdenmanagement (RDV4M) des LKV zur Verfügung gestellt. Dies dient dann unter anderem als Grundlage für betriebliche Entscheidungen sowie der Beratung hinsichtlich Fütterung und Haltung. Geplant ist, dass die Klauenbefunde auch in die Warnmeldungen des RDV4M aufgenommen werden, erklärt EDV-Experte Jürgen Bieger vom LKV. Zudem sollen die Befunddaten zukünftig dafür genutzt werden, um Zuchtwerte für Klauengesundheitsmerkmale zu schätzen, weshalb auch die Rinderunion Baden-Württemberg (RBW) und die Zuchtwertschätzstelle in Kornwestheim mit von der Partie sind. Darüber hinaus sind die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen und das LAZBW Aulendorf Partner des Projekts.


WS Crailsheim_praktischer Teil

Beim Workshop in Crailsheim fand nach dem morgendlichen Theorieteil mit den Fachreferenten sowie reichhaltigem Mittagessen der praktische Teil für rund 30 Teilnehmer auf dem Milchvieh-Betrieb von Familie Gronbach statt. Während LKV-Berater Uwe Beißwenger eine Gruppe in die Geheimnisse der Futtermischung und Kuhbeobachtung einweist, wird im Warteraum zum Melkstand Klauenpflege demonstriert.

Heiko Wagner hat schon vor 30 Jahren die Klauenpflege gelernt und ist seit neun Jahren professionell mit Kollege Ralf Wollenschläger und ihrem hydraulischen Klauenstand unterwegs. Umringt von den interessierten Landwirten erklärt und demonstriert er jetzt, worauf es ankommt, denn Druck erzeugt Gegendruck. Was manchem aus dem Muskeltraining nur zu vertraut ist, gilt auch für das Hornwachstum. Nur was beansprucht wird, wird aufgebaut. Die Natur geht da sparsam mit ihren Ressourcen um wie Heiko Wagner betont. Für den Klauenschnitt bedeutet das: Maßklaue kürzen und Sohlendicke auf fünf Millimeter einstellen, daran die Belastungsklaue anpassen, wodurch auch die Maßklaue tragen muss und wachsen kann. An den Hinterbeinen ist die äußere Klaue Belastungsklaue, weil unsere Kühe vorne jedoch eher x-beinig daher kommen, ist es an den Vorderbeinen die innere Klaue. Mit dem richtigen Klauenschnitt verteilt sich das hohe Gewicht einer modernen Milchkuh so gleichmäßig auf die gesamte Klaue. 


Digitale Dokumentation

Die Kuh brummt, die Flex surrt, während Wagner mit der messerscharfen Hobelscheibe feinfühlig das Horn der Sohle kürzt. Mit dem Maßblech wird geprüft. Die Hohlkehlung im Klauenspalt muss ich auf jeden Fall von Hand schneiden, erklärt Wagner und greift zum Hufmesser. Zum Schluss kommt der Clou: Seitlich an seinem mobilen Klauenstand inklusive Arbeitsscheinwerfer, Werkzeugkasten und Steckdosen befindet sich ein Monitor. Hier gibt der Klauenprofi zuerst die Kuhnummer und dann seinen Befund in das Softwareprogramm ‚Klaue‘ ein. Heiko Wagner praktiziert diese Art der Dokumentation bereits seit vier Jahren und ist einer der ersten Klauenpfleger, der am Projekt Klauencheck BW teilgenommen hat. Zuerst haben wir nur als Arbeitsnachweis für die Abrechnung die Befunddaten dokumentiert wie der Klauenpfleger erläutert. Inzwischen wollen die Landwirte die Auswertungen auch für ihr Herdenmanagement, was durch das Projekt Klauencheck ermöglicht werden kann.


WS Crailsheim_Teilnehmer

Ute Gruber







Workshops zum Thema Klauengesundheit


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Für Mitgliedsbetriebe veranstaltete der LKV von September 2016 bis Februar 2017 eintägige Workshops zu verschiedenen Themen der Tiergesundheit wie Fruchtbarkeit, Stoffwechsel / Fütterung, Parasiten, Euter-, Kälber- und Klauengesundheit. Das umfassende Themenangebot bei den Workshops stieß auch im vergangenen Winterhalbjahr abermals auf großes Interesse bei den Mitgliedern. Insgesamt besuchten mehr als 650 Landwirte die 28 Veranstaltungen in Baden-Württemberg. Die Zahl der Teilnehmer wurde auf maximal 30 Personen beschränkt.

 

Der theoretische Teil am Vormittag wurde durch einen Zuchtwart und externe Fachreferenten begleitet. Am Nachmittag begaben sich die Teilnehmer zusammen mit den Referenten bzw. Tierarzt und professionellen Klauenschneider auf einen landwirtschaftlichen Betrieb, auf dem die Theorie vom Vormittag am Praxisbeispiel vertieft wurde. Für den Nachmittagsteil konnten zum Thema Klauengesundheit 2 professionelle Klauenpfleger gewonnen werden. Durch die praktischen Demonstrationen an der Klaue konnten die teilnehmenden Landwirte einen wichtigen Einblick in eine gute Klauengesundheit erhalten.


Praktische Demonstration beim Workshop Klauengesundheit

Die professionellen Klauenpfleger verdeutlichten die enorme Wichtigkeit der Datendokumentation in Bezug auf die Klauengesundheit. Die vorhandenen MLP-, Diagnose- und Befunddaten bieten die besten Voraussetzungen um mit konkreten Kennzahlen in den verschiedenen Bereichen arbeiten zu können und so die Tiergesundheit der Herde und der Einzeltiere bestens im Auge zu behalten. Veränderungen können schneller wahrgenommen werden und ggf. Maßnahmen ergriffen werden. Im RDV4M stehen GMON-Betrieben bereits verschiedene Auswertungen zu den unterschiedlichen Bereichen der Tiergesundheit zur Verfügung. Des Weiteren erhalten diese Betriebe regelmäßig einen Kurzbericht in Papierform. Im Projekt Klauencheck BW werden Auswertungen im Bereich Klauengesundheit im RDV4M entwickelt.


Praktischer Teil beim Workshop Klauengesundheit

Die Vorträge und der Praxisteil begeisterten die Teilnehmer durch den sehr engen Praxisbezug und regten die Teilnehmer zu intensiven Diskussionen untereinander und mit den Referenten an. Erleichtert wurden die Gespräche durchaus auch durch den kleingehaltenen Teilnehmerkreis pro Veranstaltung. Die Betriebsleiter waren gegenüber den Seminarteilnehmern sehr offen und zeigten auch großes Interesse für die Anregungen, die aus dem Teilnehmerkreis kamen.

Landwirte, Referenten, professionelle Klauenpfleger und Praxisbetriebe waren von den gebotenen Workshops begeistert.

 

Für den Herbst / Winter 2017 / 2018 plant der LKV diese Veranstaltungsreihe zum Thema Klauengesundheit weiter auszubauen.