Im vierten Jahr steht nun das Projekt Gesundheitsmonitoring Schwein Baden-Württemberg (GMON Schwein). Seine Aufgabe ist es, ein Datenbanksystem aufzubauen, auf das Tierhalter, Berater und Tierärzte zugreifen können. Ziel ist, die Schweinehaltung zu optimieren und den Tierarzneimitteleinsatz zu minimieren.


Zu Besuch beim GMON-Betrieb Jürgen Stöckle (3. v.r.)

Zu Besuch beim GMON-Betrieb Jürgen Stöckle (3. v.r.)

Das Datenbanksystem, dessen Entwicklung vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg finanziell unterstützt wurde, steht allen Betrieben und Beratungsorganisationen offen. Aufgebaut wurde es vom Landeskontrollverband (LKV) Baden-Württemberg gemeinsam mit der Landestierärztekammer, dem Bund praktizierender Tierärzte, dem Schweinegesundheitsdienst und dem Institut für Verfahrenstechnik in der Tierproduktion der Universität Hohenheim.

Das Gesundheitsmonitoring Schwein setzt auf Vorsorge und eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Landwirt, Berater und Tierarzt. Dadurch sollen weniger Tiere krank werden und der Antibiotikaeinsatz weiter zurückgehen.

 

Durchgängige Verknüpfung

Die Grundlage für eine abgestimmte Beratung von Tierärzten und Produktionsberatern bilden die Tiergesundheitsdaten in Kombination mit den Ergebnissen der Betriebszweigauswertungen, den Schlachtbefunden sowie weiteren Diagnose- und Untersuchungsergebnissen. Um diese Informationen kombinieren zu können, stehen allen Beteiligten zwei Online-Herdenmanagementprogramme zur Verfügung (siehe separater Beitrag). Die auf diesen Programmen aufbauende Datenbank ermöglicht es, dass Tierhalter, Tierärzte und Produktionsberater jederzeit auf die in der Produktionskette für sie aufbereiteten relevanten Daten Zugriff haben. Die durchgängige Verknüpfung der beiden Online-Programme auf den verschiedenen Erzeugerstufen macht es möglich, Daten entlang der Produktionskette weiterzugeben bzw. in die Vorstufe zurück zu melden. Damit stehen zum Beispiel die Schlachtbefunde auch dem Ferkelerzeuger zur Verfügung, und dessen Informationen zu Impfungen sowie zur Fütterung der Saug- und Aufzuchtferkel bieten dem Mäster die Chance, auf Metaphylaxemaßnahmen zu verzichten und den Stress des Umstallens für die Tiere möglichst klein zu halten.


Zum Aufbau eines webbasierten Datenbank- und Datenerfassungssystems wurde eine Kooperation mit dem Verband der Österreichischen Schweinebauern geschlossen, die seit 2009 einen Online-Sauenplaner sowie seit 2014 einen Online-Mastplaner über verschiedene Mitgliedsorganisationen hinweg im Einsatz haben. Damit ist es möglich, allen Beteiligten sämtliche für sie relevanten Daten zur Verfügung zu stellen. Diese Daten können für die tierärztliche Bestandsbetreuung und das betriebliche Herdenmanagement genutzt werden.


Erfahren sie in den Artikeln aus dem Landwirtschaftlichen Wochenblatt BWagrar 47/2015 bzw. der Badischen Bauernzeitung 37/2017 mehr zum Gesundheitsmonitoring und den im Einsatz befindlichen Online-Programmen.


Im Rahmen des Monitorings werden erstmals die von den Tierärzten auf den Betrieben  festgestellten Diagnosen erfasst und aufbereitet. Somit entsteht ein vielfältiger Nutzen für den Landwirt, der mit dem System nicht nur sein betriebliches Management und somit seine betriebliche Leistung verbessern, sondern auch die Eigenkontrollen und Meldepflichten darüber abwickeln kann. Zudem nützt das Datenbanksystem den praktizierenden Tierärzten bzw. den Tierärzten des Schweinegesundheitsdienstes sowie den Beratern, denen eine breitere Datenbasis für die Beratung und Einschätzung des Betriebes zur Verfügung stehen. Auch dem sich in der Lebensmittelkette anschließenden Schlachthof mit der amtlichen Fleischbeschau können nach Freigabe durch den Landwirt relevante Informationen für die Risikobeurteilung der angelieferten Tiere zugänglich gemacht werden.


 


Die Online-Herdenmanagementprogramme

Einwahlmenü

Ein Baustein für die Datenbank des Gesundheitsmonitorings Schwein bilden die biologischen Leistungskennzahlen der Mast und Ferkelerzeugung. Mit den jetzt vorhandenen Online-Herdenmanagementprogrammen ist die zentrale Sicherung der Daten möglich. Damit lässt sich jederzeit eine aktuelle Auswertung mit überbetrieblichem Vergleich erstellen.



 

 


Der Mastplaner

Den Tierzu- und verkauf verwalten

Mit dem Online-Mastplaner lassen sich, wie in anderen Herdenmanagementprogrammen auch, die Einkaufs- und Verkaufspartien erfassen und verwalten. In Verbindung mit den Ausgaben und dem Futtereinsatz werden biologische und ökonomische Auswertungen erstellt. Biologische Leistungen wie Tageszunahmen, Verluste und Mastdauer können schon erste Hinweise zum Gesundheitszustand der Herde liefern und sollten regelmäßig mit dem Berater und Tierarzt diskutiert werden. Über die Online-Programme können diese auch vom Tierarzt, nach Zustimmung des Landwirts, abgerufen werden.

Des Weiteren können Stichtags- sowie Tierbewegungsmeldungen an die HIT- und TAM Datenbank aus dem Programm übermittelt werden. Auch das Führen des Bestandsregisters ist mit dem Online- Herdenmanagementprogramm möglich. Dafür müssen lediglich die Lieferanten und Abnehmer einmalig angelegt sowie die Einkaufs- und Verkaufspartien bzw. die Verluste realitätsgetreu erfasst werden.


Aufbereitete Schlachtdaten

Das Programm bietet außerdem die Möglichkeit Schlachtdaten einzulesen und auszuwerten. Dabei sind neben den Gewichten und Magerfleischanteilen besonders die Befunde der Schlachttier- und Fleischbeschau von Interesse. Auch diese können in Zukunft dem Hof- bzw. SGD-Tierarzt einfach zur Verfügung gestellt und in Verbindung mit den Leistungsdaten gemeinsam kritisch hinterfragt werden. Ein anonymisierter überbetrieblicher Vergleich mit den Kollegen hinsichtlich der Schlachtbefunde ist sicherlich aufschlussreich.


Der Sauenplaner

Die App zum Sauenplaner

Für die Ferkelerzeugung steht ebenfalls ein Online-Herdenmanagementprogramm zur Verfügung. Mit Hilfe des Sauenplaners lassen sich wie gewohnt sowohl Arbeitspläne als auch Auswertungen erstellen. Alles Rund um das Belegen, Abferkeln und Absetzen lässt sich mit dem Programm erfassen und verwalten.

Auch hier ist das Erstellen des Bestandsregisters aus dem Sauenplaner möglich. Geforderte Bestands- und Bewegungsmeldungen lassen sich einfach an HIT übermitteln. Durch das Online-Programm können ebenfalls wie in der Mast mit Zustimmung des Landwirtes die Auswertungen dem Hof- oder SGD- Tierarzt leicht zur Verfügung gestellt werden. Somit haben diese immer einen aktuellen Einblick z.B. in Abferkelzahlen, Saugferkelverluste, Umrauscherraten etc. und können gezielter beraten.

Geschlossene Betriebe oder feste Ferkelerzeuger-Mäster-Lieferbeziehungen können beide Programme nutzen, indem verkaufte Ferkelpartien vom Sauenplaner in den Mastplaner übernommen werden. Es können zudem Informationen mitgeliefert oder Schlachthofdaten zum Ferkelerzeuger rückübermittelt werden.

Eine App ermöglicht die mobile Datenerfassung im Stall - auch ohne direkte Internetverbindung.


Medikamentenmodul

Sauenplaner Bestandsbuch

Sowohl für den Mast- als auch für den Sauenplaner gibt es ein Medikamentenmodul. Mit diesem Modul lassen sich Abgabebelege und Behandlungen erfassen. So können in Zukunft Nachbehandlungen, Wiederverschreibung, sogar Rückgabe von Restmengen sowie Meldungen an die TAM Datenbank nach den gesetzlichen Vorgaben abgewickelt werden. Damit sollen die Beteiligten bei der Dokumentation des Einsatzes von Tierarzneimitteln unterstützt werden.




Schweinegesundheitsdienst erstellt einheitlichen Diagnoseschlüssel


Der vom Schweinegesundheitsdienst Baden- Württemberg erarbeitete Diagnoseschlüssel für die Erfassung der Diagnosedaten ist nun fertig. Somit ist eine erste Grundlage für die Erhebung der Gesundheitsdaten beim GMON Schwein geschaffen.